Ein Vierteljahr umsonst gearbeitet

Sozialdemokratinnen im Kreis Herzogtum Lauenburg fordern Lohngerechtigkeit

Erst vorgestern, am 08. März, haben Frauen weltweit am Internationalen Weltfrauentag gegen Ungerechtigkeit, Sexismus und geschlechtsbedingte Diskriminierung protestiert. Zwei Tage später findet nun der Equal Pay Day statt, der dem Weltfrauentag in seiner Brisanz und Wichtigkeit in nichts nachsteht. Die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen im Kreis Herzogtum Lauenburg (ASF) weist auf den heutigen Tag hin und fordert zu mehr Lohngerechtigkeit auf.

Der Equal Pay Day ist der internationale Aktionstag für die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern. Er findet jedes Jahr an dem Tag statt, bis zu dem Frauen rechnerisch umsonst gearbeitet haben, während Männer bereits seit dem 01. Januar für ihre Arbeit entlohnt wurden. Mehr als drei Monate im Jahr arbeiten Frauen in Deutschland also rechnerisch unbezahlt. Die Vorsitzende der ASF im Kreis Herzogtum Lauenburg, Jennifer Fröhlich, erklärt: „Dass es den Equal Pay Day gibt, ist ein wichtiges Zeichen, um Ungerechtigkeit und die oftmals prekäre Lage von Frauen aufzuzeigen. Dennoch ist der Grund seiner Existenz ein Armutszeugnis und verdeutlicht, wie dringend wir handeln müssen. Dass wir in 2021 immer noch darüber diskutieren, warum es falsch ist, dass Frauen deutlich weniger für ihre Arbeit entlohnt werden als Männer, ist fatal und wird dem Anspruch, den wir an Gerechtigkeit haben, nicht gerecht.“

Der geschlechtsspezifische Entgeltunterschied in Deutschland liegt laut Statistischem Bundesamt derzeit bei 19%. Dieser massive Gehaltsunterschied ist unter anderem in strukturellen Unterschieden begründet: Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit oder Minijobs, üben Berufe aus, die tendenziell weniger gut bezahlt werden, unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit eher für Kindererziehung oder Pflegetätigkeiten und besetzen nach wie vor seltener Führungspositionen als Männer. Rechnet man all diese strukturellen Faktoren raus, bleibt dennoch eine unerklärte Lohnlücke von 6% übrig. Die Lohnungleichheit zieht langfristig auch die ungleiche Rentenverteilung nach sich. Frauen haben durchschnittlich einen nur halb so hohen Rentenanspruch wie Männer, wie ver.di die „Gender Pension Gap“ erklärt. In Folge sind Frauen besonders stark von Altersarmut gefährdet.

Die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen im Kreis Herzogtum Lauenburg setzt sich für Lohngerechtigkeit und Gleichberechtigung ein. „Wir fordern unter anderem eine flächendeckende Tarifbindung, eine transparente Lohnpolitik, die Einführung einer verpflichtenden Geschlechterquote in Unternehmen und insbesondere in Führungspositionen, die lückenlose Versorgung mit Betreuungsplätzen für Kinder auch zu Randzeiten und den Abbau von Vorurteilen gegenüber Frauen.“, erklärt Jennifer Fröhlich die Ziele der ASF. „Es fängt damit an, dass Mädchen suggeriert wird, sie könnten bestimmte Berufe wegen ihres Geschlechts nicht ausüben. Später werden Frauen häufig im Bewerbungsprozess benachteiligt, weil sie potenziell wegen Mutterschutz und Elternzeit ausfallen könnten. Weiterhin werden ihnen Attribute zugeschrieben, die ihnen Führungsqualitäten oder wirtschaftliches Denken absprechen. Jede:r von uns sollte den heutigen Equal Pay Day zum Anlass nehmen, die eigenen Denkmuster und Vorurteile zu hinterfragen. Das ist der erste Schritt zur Lohngerechtigkeit. Viele weitere müssen noch folgen.“, so Fröhlich weiter.